Kunst im Adler

Neue Ausstellung: Gisela Rietta Fritschi stellt aus
Der Übergang in neue Sphären und die Lust am Experimentieren

Ihr könnt die Ausstellung während unserer Öffnungszeiten im Adler kostenlos besuchen und was Trinken oder Essen. Oder beides. Die Öffnungszeiten sind: Mo, Mi, Do, Fr, Sa 17:00 – 23:00, Sonntag 12:00 – 22:00 und Dienstag ist geschlossen. Wir freuen uns auf Euch!

Die Ausstellung wird am Samstag, 4. Dezember, von 16 bis 17 Uhr, im Schwarzen Adler offiziell eröffnet. Die Künstlerin wird anwesend sein. Es gelten die aktuellen Corona-Bestimmungen.

Text: UWE PLIEN

RHEINBERG-VIERBAUM Gisela Rietta Fritschi spricht viel von Tod, von der Vergänglichkeit und davon, dass sie der festen Überzeugung ist, dass es weitergeht, wenn das Leben vorbei ist. Irgendwo, irgendwie, an einem anderen Ort im Jenseits. „Ich bin mir sicher, dass da noch was kommt“, betont die Künstlerin. Der Übergang in ein anderes Dasein, Kreuzungen, Wege und Wandlungen seien wichtige Themen in ihrem Schaffen, so die Düsseldorferin. „Wenn man 78 Jahre alt ist wie ich, dann beschäftigt einen das Ende natürlich noch mehr als früher.“

Die Künstlerin mit dem ungewöhnlichen Namen ist auch im hohen Alter noch kreativ und sie war es ihr Leben lang. Sie empfindet die Aussicht auf das Ende des Lebens überhaupt nicht als bedrückend. Wer sich mit der Malerin und Bildhauerin unterhält, erlebt eine ruhige, nachdenkliche, überaus freundliche Frau. Ihr Vater sei Gärtner im Kurgarten von Bad Driburg gewesen, erzählt sie. Blühen und Verblühen sehe sie als einen ganz natürlichen Vorgang. Und so wirkt ihre Ausstellung im Schwarzen Adler, wenn überhaupt, nur auf den ersten Eindruck deprimierend. Wer die Geschichten zu den sehr unterschiedlichen Werken hört, entdeckt viel Positives, Freudvolles, Ermutigendes und Anregendes darin.

Gisela Rietta Fritschi lebt und arbeitet in Düsseldorf, hat aber auch ein Atelier in den Nieper Kuhlen bei Neukirchen-Vluyn. Lange war sie in Krefeld zu Hause. Jahrzehntelang hat sie als Kunsttherapeutin gearbeitet, hat auch Kunsttherapeuten ausgebildet. Diese Arbeit beeinflusst ihre Malerei. „Ich hoffe, dass ich anderen Menschen helfen kann“, sagt sie und hat kein Problem damit zuzugeben, dass die künstlerische Auseinandersetzung auch Selbsttherapie für sie ist. Schon früh („Ich war ein sehr schwieriges Kind“) habe sie gesagt: „Ich will malen, weil es mir gut tut.“

Aus ihrem riesigen Fundus hat sie 18 Bilder für die Adler-Ausstellung ausgewählt. Entstanden sind sie zwischen 1995 und 2020. Die meisten sind Acrylbilder. Einige klassisch auf Leinwand wie das kunterbunte „Sonne“, eine ganze Reihe auf dickem Papier gemalt. Die haben meist ovale Formen und deuten Spiralen, Drehungen, Bewegungen an. Ebene jenen Übergang in eine andere Sphäre. In einem Fall passiert das dreidimensional, fast kindlich und in den knalligsten Farben. Pink, Orange und Gelb gehen ineinander über und drehen das Rad des Lebens. Bilder wie „Die schwarze Träne“ sind auf Holz gemalt. Und extra für Vierbaum hat sie, ganz naiv und naturalistisch, einen schwarzen Adler mit einem vierblättrigen Kleeblatt gepinselt.

Schon als Kind war sie fasziniert von der magischen Wirkung des Lichts in der Dunkelheit: „Mit fünf oder sechs Jahren habe ich von kleinen Straßenbegrenzungen die Phosphorfarbe abgeknibbelt und in einer alten Pralinenschachtel aufgehoben. Abends, nachdem meine Mutter mir ,Gute Nacht‘ gesagt hatte, öffnete ich die Kiste, knipste noch einmal kurz das Licht an und aus – und bestaunte dann meinen Sternenhimmel“, erinnert sie sich. Bis heute wirkt diese Kindheitserfahrung nach, wenn Schwarzlicht ihren Bildern und Objekten in der Dämmerung eine besondere Ausstrahlung verleiht. Ein weiteres wesentliches Element ihres Schaffens ist die Verbundenheit mit der Natur. So erinnert ein Wandrelief an einen kranken, jungen Schwan, den sie einst lebensrettend in ihre Obhut nahm. Das Holz für diese Arbeit war einmal eine Treppenstufe. Auch Pflanzen werden zu Kunst verarbeitet. Etwa Santosome, eine Sumpfpflanze. Fritschi bekam einmal ein Exemplar geschenkt, in der Vierbaumer Ausstellung zeigt sie Bilder von Blättern der Pflanze.

Wer allerdings glaubt, dass die erfahrene Künstlerin nur „old school“ arbeitet, der irrt. Vollkommen aus dem Rahmen fallen grafische Beiträge, die anmuten wie Zeichnungen oder Aquarelle, aber vollständig am Computer entstanden sind. „Ich mag es immer noch zu experimentieren, möchte immer noch Neues ausprobieren“, sagt Fritschi. „Für mich ist Kunst ein Spielfeld.“ 

Die Ausstellung wird am Samstag, 4. Dezember, von 16 bis 17 Uhr, im Schwarzen Adler, Baerler Straße 96, in Vierbaum, offiziell eröffnet. Die Künstlerin wird anwesend sein. Es gelten die aktuellen Corona-Bestimmungen. Ein Test-Zentrum gibt es am Schwarzen Adler.

Kurzbiografie Gisela Rietta Fritschi wurde 1943 geboren. Von 1967 bis 1971 studierte sie an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, von 1971 bis 1972 war sie Meisterschülerin von K.O. Götz an der Kunstakademie Düsseldorf. Seit 1972 ist sie freiberuflich tätig als Malerin im eigenen Atelier und in Kunstschulen. 1986 bekam sie die Graduierung als Kunsttherapeutin, sie arbeitete in Kliniken und einer eigenen Praxis. 1986 wurde sie Lehrtherapeutin.

www.Gisela-Fritschi.de

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